Wasserstoff-Importe für langfristige Versorgungssicherheit
Langfristig werden die europäischen Wasserstoff-Bedarfe nicht allein durch die lokale Erzeugung gedeckt werden können. Deshalb arbeitet VERBUND am Aufbau eines diversifizierten Import-Projekt-Portfolios.
Große Mengen an grünem Wasserstoff sollen in europäischen Ländern und benachbarten Regionen Europas erzeugt und der Transport in die großen europäischen Abnahmezentren via Pipeline organisiert werden. Als Importregionen sind jene Regionen im Fokus, welche günstige Erzeugungsbedingungen für erneuerbaren Strom und grünen Wasserstoff sowie einen bestehenden oder zukünftigen Infrastrukturanschluss an die Kernmärkte vorweisen.
Vor diesem Hintergrund identifizierte VERBUND konkrete Importkorridore über unterschiedliche Regionen, die kontinuierlich weiterentwickelt werden.
Steigender Bedarf verlangt rasches Handeln
Im Januar 2025 wurden Vereinbarungen über die Zusammenarbeit zwischen Italien, Deutschland, Österreich, Algerien und Tunesien getroffen, um jährlich 1,9 Mio. Tonnen Wasserstoff über den 3.300 km langen „SoutH2-Korridor“ nach Mitteleuropa zu transportieren – eine Pipeline, die künftige Produktionsstätten für grünen Wasserstoff in Nordafrika mit Nachfragezentren in der Republik Italien, der Republik Österreich und der Bundesrepublik Deutschland verbinden wird. Die VERBUND-Tochtergesellschaften Gas Connect Austria GmbH und Trans Austria Gasleitungs GmbH sind zusammen mit dem italienischen TSO SNAM und dem bayerischen TSO bayernets Teil des „SoutH2 Corridor“-Projekts. Im November 2023 nahm die Europäische Kommission den „SoutH2 Corridor“ in die 6. Liste der vorrangigen Energieprojekte (PCI) auf, wodurch die Genehmigungs- und Umsetzungsverfahren beschleunigt werden. Im Dezember 2025 bekräftigte die Europäische Kommission die strategische Bedeutung des „SoutH2 Corridor” als eines der wichtigsten Wasserstoffinfrastrukturprojekte Europas. Aufbauend auf der Rolle der Republik Österreich als Transitland für Gas erfordert die Umgestaltung des Gasnetzes der GCA erhebliche Investitionen, obwohl der Großteil des bestehenden Gasnetzes für Wasserstoff umfunktioniert werden kann.
Zusammen mit TEH2, einem Joint Venture zwischen TotalEnergies und der EREN Groupe, arbeitet VERBUND an der Umsetzung des Großprojekts „H2 Notos”. In der ersten Phase sollen jährlich rund 200.000 Tonnen grüner Wasserstoff mit Elektrolyseuren produziert werden, die Strom aus großen Wind- und Solarprojekten in Tunesien beziehen.
Die Hydrogen Import Alliance Austria (HIAA) und die Hydrogen Import Alliance Bavaria (HIBB), beide initiiert von VERBUND, spielen eine Schlüsselrolle bei der Bündelung der Nachfrage und der Abstimmung verschiedener Segmente der Wasserstoff-Wertschöpfungskette.
Der Weg des grünen Wasserstoffs
Wasserstoff-Import gemeinsam mit Allianzen als langfristige Strategie
VERBUND initiierte die Wasserstoff-Allianzen in Österreich und Bayern. Den Allianzen gehören jeweils Akteure aus der gesamten Wertschöpfungskette an: Energieunternehmen, Infrastrukturbetreiber und Wasserstoffabnehmer, die gemeinsam einen wesentlichen Anteil der Nachfrage im jeweiligen Land bzw. Bundesland repräsentieren. Das Ziel der Importallianzen ist es, Wasserstoffimporte bis 2030 zu ermöglichen, um die signifikant steigenden Bedarfe in Österreich und Bayern langfristig, verlässlich und wettbewerbsfähig zu decken. Im Fokus der Arbeit stehen daher der strukturierte und orchestrierte Hochlauf der Wasserstoff-Importwirtschaft und die Lösung des so genannten „Henne-Ei-Problems“, das die zentrale Herausforderung beim Aufbau der Wasserstoffwirtschaft ist.
Hydrogen Import Alliance Austria
Die Hydrogen Import Alliance Austria (HIAA) ist ein Zusammenschluss von acht führenden, österreichischen Unternehmen mit dem Ziel, Wasserstoffimporte via Pipelines nach Österreich bis 2030 zu ermöglichen und damit die signifikant steigenden Bedarfe an grünem Wasserstoff langfristig decken zu können. Die HIAA analysiert die vielversprechendsten Exportländer und Transportrouten nach Österreich und arbeitet am Aufbau konkreter Importkorridore, um eine sichere und diversifizierte Versorgung zu gewährleisten. Initiiert 2022 von VERBUND, verfügt die HIAA mit ihren Mitgliedsunternehmen über Expertise entlang der gesamten Wertschöpfungskette von der Produktion in Quellenländern über den Import via internationaler und nationaler Transportwege bis hin zur Verwendung in der heimischen Wirtschaft. Diese Unternehmen sind (in alphabetischer Reihenfolge): AMAG Austria Metall AG, Gas Connect Austria, LAT Nitrogen Austria GmbH, OMV, RHI Magnesita, VERBUND Green Hydrogen GmbH, voestalpine AG und Wiener Stadtwerke.
Hydrogen Import Bündnis Bayern
Das Ziel des Hydrogen Import Bündnis Bayern (HIBB) ist es, die Entwicklung des Wasserstoffimports nach Bayern bis 2030 voranzutreiben und damit die Bereitstellung großer Mengen an grünem Wasserstoff zur Versorgung der dortigen Industrie zu sichern. Die Partner bayernets GmbH, BAYERNOIL Raffineriegesellschaft mbH, Gas Connect Austria GmbH, Wacker Chemie AG, Westlake Vinnolit GmbH & Co. KG und Verbund AG entwickeln einen Fahrplan zum Aufbau der Wertschöpfungskette. Für die unmittelbare Wasserstoffversorgung Bayerns ist zum einen der Aufbau regionaler Wasserstofferzeugung enorm wichtig. Gleichzeitig gilt es hochindustrialisierte Regionen, die durch ihre geografischen Voraussetzungen nicht ausreichend erneuerbare Energie zur Wasserstoffproduktion zur Verfügung haben, über ein europäisches Wasserstoffnetz zu versorgen. Für den Import nach Bayern stellt der Wasserstofftransport über Pipelines den kostengünstigsten und skalierbarsten Weg dar. Für den Transport des Wasserstoffs können bestehende Erdgas-Leitungen zu Wasserstoffleitungen effizient und kostengünstig umgestellt werden.